Euro NCAP hat seine Crashtests 2026 grundlegend umgestellt – strenger und anders aufgebaut als je zuvor. Vier elektrische Neulinge haben die neue Prüfung als erste durchlaufen: der Geely E2, der GAC Aion UT, der Leapmotor B05 und der Cupra Raval. Alle vier erreichen die Höchstwertung von fünf Sternen – aber nicht alle serienmäßig.
Die drei Stromer aus China holen die fünf Sterne in Serienausstattung. Der Cupra Raval bekommt sie nur mit dem optionalen Safety-Paket; in der Serienausstattung bleiben es vier Sterne, weil einige Assistenzsysteme dort nicht an Bord sind. Wir zeigen, was das neue 2026-Protokoll misst und wo jedes der vier Modelle seine Stärken und Schwächen hat.
Kurz & knapp
- Neues Prüfschema: Euro NCAP bewertet seit 2026 in vier Phasen – Sicheres Fahren, Unfallvermeidung, Aufprallschutz und Sicherheit nach dem Unfall. Die Prozentwerte sind nicht mit älteren Testjahrgängen vergleichbar.
- Fünf Sterne serienmäßig: Geely E2, GAC Aion UT und Leapmotor B05.
- Vier oder fünf Sterne: Der Cupra Raval holt fünf Sterne nur mit dem optionalen Safety-Paket, sonst vier.
- Bester Aufprallschutz: der Leapmotor B05 mit 92 Prozent. Bestes Sicheres Fahren: der Geely E2 mit 79 Prozent. Beste Rettungs-Phase: Geely E2 und Cupra Raval mit je 95 Prozent.
Das neue Euro-NCAP-2026-Protokoll: vier Phasen statt vier Kategorien
Bis 2025 fasste Euro NCAP das Ergebnis in vier Kategorien zusammen: Erwachsenen-, Kinder- und Fußgängerschutz sowie Assistenzsysteme. Seit 2026 folgt die Bewertung stattdessen dem zeitlichen Ablauf eines Unfalls und teilt sich in vier Phasen:
- Sicheres Fahren – wie gut das Auto den Fahrer unterstützt, ihn wach und aufmerksam hält und gute Sicht bietet.
- Unfallvermeidung – wie zuverlässig Notbrems- und Ausweichsysteme einen drohenden Zusammenstoß verhindern oder abschwächen.
- Aufprallschutz – wie gut Insassen und andere Verkehrsteilnehmer geschützt sind, wenn es doch kracht.
- Sicherheit nach dem Unfall – wie schnell Hilfe kommt: automatischer Notruf, Zugang für Rettungskräfte, Schutz vor Folgeschäden.
Weil das Schema neu ist, lassen sich die Prozentwerte nicht eins zu eins mit den Fünf-Sterne-Ergebnissen früherer Jahre vergleichen. Genau deshalb ist der Blick auf die einzelnen Phasen so aufschlussreich.
Die vier Ergebnisse im Überblick
| Modell | Sterne | Sicheres Fahren | Unfallvermeidung | Aufprallschutz | Nach dem Unfall |
|---|---|---|---|---|---|
| Geely E2 | 5 | 79 % | 72 % | 86 % | 95 % |
| GAC Aion UT | 5 | 66 % | 74 % | 91 % | 88 % |
| Leapmotor B05 | 5 | 66 % | 77 % | 92 % | 89 % |
| Cupra Raval | 4 / 5* | 72 % | 77 % | 91 % | 95 % |
Geely E2: der beste Assistent, mit Schwächen im Aufprall
Der Geely E2 liefert das beste „Sichere Fahren“ im Testfeld: 79 Prozent für Fahrerassistenz, Aufmerksamkeitsüberwachung und Sicht. Auch in der Phase nach dem Unfall steht er mit 95 Prozent an der Spitze. Lobenswert sind seine echten, physischen Bedienelemente statt reiner Touch-Bedienung.
Schwächer fällt der Aufprallschutz aus – mit 86 Prozent der niedrigste Wert im Vergleich. Euro NCAP bemängelte einen inkonsistenten Notbremsassistenten, einen mäßigen Schutz im versetzten Frontalcrash und einen Sicherheitsgurt, der bei einem Kinderdummy teilweise von der Schulter rutschte.
Passt zu: allen, denen starke Assistenz und eine gute Rettungskette wichtig sind – mit dem Wissen, dass der reine Aufprallschutz hier das schwächste Glied im Feld ist.
GAC Aion UT: solider Aufprallschutz, zu viel Touchscreen
Der GAC Aion UT überzeugt beim Aufprallschutz mit 91 Prozent und liefert über alle vier Phasen ein ausgewogenes Bild. In der Unfallvermeidung liegt er mit 74 Prozent im soliden Mittelfeld.
Kritik gab es an der Bedienung: Für einzelne Fahrfunktionen verlässt sich der Aion UT zu stark auf den zentralen Touchscreen. Auch die Verkehrszeichenerkennung erreichte mit 68 Prozent nicht die volle Punktzahl.
Passt zu: Käufern, die einen rundum soliden Schutz suchen und mit einer bildschirmlastigen Bedienung leben können.
Leapmotor B05: der beste Aufprallschutz im Feld
Der Leapmotor B05 holt mit 92 Prozent den besten Aufprallschutz des gesamten 2026-Testfelds. Auch bei der Unfallvermeidung liegt er mit 77 Prozent vorn und schützt nach einem Unfall mit soliden 89 Prozent.
Bei der Ausstattung der Rückhaltesysteme sieht Euro NCAP noch Luft: Es fehlen adaptive Systeme, die sich auf unterschiedliche Körpertypen einstellen, und eine Erkennung gefährlicher Sitzpositionen – etwa Füße auf dem Armaturenbrett.
Passt zu: allen, für die der reine Insassenschutz bei einem Zusammenstoß an erster Stelle steht.
Cupra Raval: fünf Sterne – aber nur mit Safety-Paket
Der Cupra Raval ist der Sonderfall im Vergleich. Mit dem optionalen Safety-Paket erreicht er fünf Sterne und überzeugt mit 91 Prozent Aufprallschutz und 95 Prozent in der Phase nach dem Unfall. Ohne das Paket bleiben es vier Sterne, weil zwei aktive Assistenzsysteme in der Serienausstattung fehlen: der prädiktive adaptive Tempomat (vorausschauender ACC) und die Querverkehrswarnung vorne (Front Cross Traffic Alert). Beide greifen vor allem bei niedrigem Tempo und an Kreuzungen früher ein – genau sie heben die Wertung: Das „Sichere Fahren“ steigt mit Paket von 58 auf 72 Prozent, die Unfallvermeidung von 66 auf 77 Prozent.
Für den deutschen Markt heißt das konkret: Bei allen aktuell bestellbaren Linien – Plus, Endurance und VZ – sind diese Assistenzsysteme serienmäßig; ein separates Safety-Paket gibt es hier gar nicht. Diese Versionen erreichen die vollen fünf Sterne ohne Aufpreis und spielen damit in derselben Liga wie die drei Neulinge aus China. Offen ist allein die noch nicht bestellbare Grundversion: Ihr könnten – wie beim Plattform-Bruder VW ID. Polo in der Einstiegslinie – der vorausschauende ACC und die Querverkehrswarnung fehlen, womit sie auf vier Sterne käme. Sicher lässt sich das aber erst sagen, wenn die Grundversion tatsächlich bestellbar ist.
Passt zu: Käufern, die einen europäischen Kleinwagen bevorzugen – und beim Konfigurieren das Safety-Paket mitbestellen.
Direkter Vergleich und Einordnung
Alle vier Modelle sind auf dem Papier Fünf-Sterne-Autos, doch die Phasen zeigen unterschiedliche Charaktere. Wer den bestmöglichen Schutz im Ernstfall will, ist beim Leapmotor B05 richtig. Wer Wert auf eine starke, vorausschauende Assistenz legt, findet sie im Geely E2 – muss aber den schwächeren Aufprallschutz einkalkulieren. Der GAC Aion UT ist der Ausgewogene, der Cupra Raval der Europäer mit Sternchen-Fußnote.
- Bester Aufprallschutz: Leapmotor B05 (92 %).
- Beste Assistenz / Sicheres Fahren: Geely E2 (79 %).
- Beste Rettungs-Phase: Geely E2 und Cupra Raval (je 95 %).
- Fünf Sterne serienmäßig: Geely E2, GAC Aion UT, Leapmotor B05.
- Fünf Sterne nur mit Paket: Cupra Raval (sonst vier).
Häufige Fragen
Warum lassen sich die Prozentwerte nicht mit früheren NCAP-Tests vergleichen?
Euro NCAP hat das Prüfschema 2026 umgestellt. Statt der bisherigen Kategorien Erwachsenen-, Kinder- und Fußgängerschutz sowie Assistenzsysteme gibt es jetzt vier Phasen entlang des Unfallablaufs: Sicheres Fahren, Unfallvermeidung, Aufprallschutz und Sicherheit nach dem Unfall. Weil anders gemessen und gewichtet wird, sind die neuen Werte eigenständig zu lesen.
Welches der vier Modelle schützt im Crash am besten?
In der Phase Aufprallschutz liegt der Leapmotor B05 mit 92 Prozent vorn, dicht gefolgt vom GAC Aion UT und Cupra Raval mit je 91 Prozent. Der Geely E2 fällt hier mit 86 Prozent etwas ab.
Warum bekommt der Cupra Raval nur vier Sterne in der Serienausstattung?
In der Basisausstattung fehlen dem Raval zwei aktive Assistenzsysteme, die Euro NCAP höher gewichtet: der prädiktive adaptive Tempomat (vorausschauender ACC) und die Querverkehrswarnung vorne (Front Cross Traffic Alert). Beide sind Teil des optionalen Safety-Pakets. Erst damit steigt die Wertung von vier auf fünf Sterne, weil die Phasen Sicheres Fahren (58 → 72 %) und Unfallvermeidung (66 → 77 %) deutlich zulegen.
Sind die drei China-Modelle wirklich sicherer als der Cupra?
Das hängt vom Markt ab. Die Euro-NCAP-Wertung des Raval ist eine Dual-Wertung: vier Sterne ohne, fünf mit dem Safety-Paket. In Deutschland ist dieses Paket aber gar nicht separat bestellbar – die Assistenz ist hier bei allen Linien serienmäßig. Mit voller Assistenz liegt der Raval auf Augenhöhe mit den drei Neulingen und übertrifft den Geely E2 sogar beim Aufprallschutz.
Was wurde an den einzelnen Modellen kritisiert?
Beim Geely E2 ein inkonsistenter Notbremsassistent und der Schutz im versetzten Frontalcrash. Beim GAC Aion UT die starke Abhängigkeit vom Touchscreen und eine Verkehrszeichenerkennung mit nur 68 Prozent. Beim Leapmotor B05 fehlende adaptive Rückhaltesysteme. Beim Cupra Raval die in der Serie fehlenden Assistenzfunktionen.
Wo finde ich die vollständigen Daten zu jedem Modell?
Die kompletten Sicherheits- und Ausstattungsdaten samt Crashtest-Video finden Sie auf den Modellseiten von Geely E2, GAC Aion UT, Leapmotor B05 und Cupra Raval. Weitere Vergleiche und Ratgeber gibt es im Ludego-Magazin.
So kommen Sie zu Ihrem Wunsch-Stromer
Sie schwanken noch zwischen zwei Kandidaten oder möchten wissen, welche Ausstattung sicherheitstechnisch sinnvoll ist? Wir beraten Sie unabhängig und transparent. Wie der Weg zu Ihrem Elektroauto abläuft, lesen Sie unter Ablauf. Für eine persönliche Empfehlung und ein konkretes Angebot erreichen Sie uns über Kontakt.