V2L, V2H und V2G erklärt
Auf dieser Seite erklären wir Ihnen, was hinter den Begriffen Vehicle-to-Load, Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid steckt – und welche Fahrzeuge diese Technologien heute schon unterstützen.

V2L, V2H, V2G: Das Elektroauto als Stromquelle
Übersicht
Übersicht
Die meisten Menschen denken beim Thema Elektroauto ans Laden – also daran, Strom in das Fahrzeug hineinzubekommen. Dabei können viele moderne Elektroautos auch Strom abgeben. Die Technologien dafür heißen V2L, V2H und V2G. Was sich hinter diesen Abkürzungen verbirgt und was im Alltag davon relevant ist, erklären wir hier.
Das Grundprinzip: Bidirektionales Laden
Alle drei Technologien basieren auf demselben Grundprinzip: Der Akku des Elektroautos gibt Strom ab, anstatt ihn nur aufzunehmen. Man spricht dabei von bidirektionalem Laden – also Laden in beide Richtungen. Der Unterschied zwischen V2L, V2H und V2G liegt darin, wohin dieser Strom fließt.
Wichtig: Nicht jedes Elektroauto kann bidirektional laden. Die entsprechende Hardware muss im Fahrzeug verbaut sein. Im Datenblatt finden Sie unter dem Punkt „Entlademöglichkeiten”, was das jeweilige Fahrzeug unterstützt.
V2L – Vehicle-to-Load
Vehicle-to-Load ist die einfachste und am weitesten verbreitete Form der Rückspeisung. Das Fahrzeug stellt über eine spezielle Steckdose – entweder am Ladeanschluss oder im Innenraum – eine normale 230-Volt-Wechselstromversorgung bereit. Angeschlossene Geräte lassen sich damit direkt aus dem Fahrzeugakku betreiben.
Vorteile V2L
- Keine Genehmigung nötig: V2L ist wie eine normale Steckdose – kein Elektriker, kein Netzbetreiber, keine Installation erforderlich.
- Sofort nutzbar: Einfach den V2L-Adapter einstecken und Geräte anschließen.
- Ersetzt ein Benzin-Aggregat: Für Camping, Outdoor-Veranstaltungen oder Baustellen leistet V2L dasselbe wie ein Generator – nur leise und ohne Abgase.
Was Sie wissen sollten
- Begrenzte Leistung: V2L-Fahrzeuge liefern in der Regel 1,5 bis 3,6 kW. Das reicht für Haushaltsgeräte, Werkzeug und Ladegeräte, aber nicht für leistungsstarke Verbraucher wie Elektroheizungen oder Herde.
- Akku wird entladen: Je nach genutzter Leistung und Nutzungsdauer sinkt der Ladestand des Fahrzeugs spürbar. Bei längerem Betrieb empfiehlt sich ein Blick auf den verbleibenden SoC.
- Adapter oft extra: Bei manchen Fahrzeugen ist der V2L-Adapter nicht im Serienumfang enthalten, sondern muss separat bestellt werden.
Typische Anwendungsfälle für V2L
- Camping und Outdoor: Kaffeemaschine, Kühlbox, E-Bike laden, Beleuchtung
- Baustelle und Handwerk: Elektrowerkzeug, Beleuchtung ohne Verlängerungskabel zur Steckdose
- Veranstaltungen: Musikanlagen, Licht, kleine Küchengeräte
- Stromausfall zuhause: Kühlschrank, Router, Beleuchtung für einige Stunden überbrücken
V2H – Vehicle-to-Home
Vehicle-to-Home geht einen Schritt weiter: Das Fahrzeug speist Strom nicht nur über eine einzelne Steckdose aus, sondern direkt in das Hausnetz ein. Damit kann das Elektroauto als Heimspeicher genutzt werden – zum Beispiel in Kombination mit einer Photovoltaikanlage oder als Notstromsystem bei Stromausfall.
Vorteile V2H
- PV-Eigenverbrauch erhöhen: Tagsüber mit überschüssigem PV-Strom laden, abends den gespeicherten Strom ins Haus einspeisen – weniger Netzbezug, geringere Stromkosten.
- Notstromversorgung: Bei einem Stromausfall kann das Elektroauto das Haus je nach Akkugröße für mehrere Stunden oder sogar Tage mit Strom versorgen.
- Großer Speicher: Ein Elektroauto-Akku mit 60–100 kWh bietet deutlich mehr Kapazität als die meisten stationären Heimspeicher.
Was Sie wissen sollten
- Bidirektionale Wallbox erforderlich: Standard-Wallboxen können nur laden, nicht entladen. Für V2H benötigen Sie eine zugelassene bidirektionale Wallbox – das sind aktuell noch vergleichsweise wenige Modelle.
- Elektriker und Netzbetreiber: Die Installation muss von einem Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Je nach Konfiguration ist auch eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber erforderlich, sonst ist ggf. der Inselbetrieb notwendig.
- Netztrennschalter: Für den Inselbetrieb (Notstrom) ist ein Netztrennschalter Pflicht, damit kein Strom aus dem Fahrzeug ins öffentliche Netz gelangen kann.
- Wenige Fahrzeuge verfügbar: V2H ist aktuell nur bei einer Handvoll Fahrzeuge und Wallbox-Kombinationen in Europa erhältlich. In Japan ist der Standard bereits weiter verbreitet.
V2G – Vehicle-to-Grid
Vehicle-to-Grid ist die komplexeste Form der Rückspeisung. Das Fahrzeug gibt Strom nicht nur ins eigene Hausnetz ab, sondern direkt ins öffentliche Stromnetz – gesteuert durch den Netzbetreiber oder einen Energiedienstleister. Die Idee dahinter: Millionen geparkte Elektroautos könnten als dezentrale Kurzzeitspeicher dienen und das Stromnetz stabilisieren.
Das Potenzial von V2G
- Netzstabilisierung: Elektroautos könnten Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, die durch schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie entstehen.
- Vergütung möglich: In Pilotprojekten erhalten Fahrzeughalter eine Vergütung dafür, dass ihr Fahrzeug zeitweise Strom ins Netz zurückspeist.
- Weniger Bedarf an Großspeichern: Wenn viele Fahrzeuge als verteilte Speicher fungieren, sinkt der Bedarf an teuren stationären Netzgroßspeichern.
Was Sie wissen sollten
- Noch in der Pilotphase: V2G ist aktuell hauptsächlich in Forschungs- und Pilotprojekten aktiv. Serienreife Produkte für Privatkunden gibt es in Europa noch kaum.
- Komplexe Regulierung: V2G erfordert Zertifizierungen, Verträge mit Netzbetreibern und speziell zugelassene Ladeinfrastruktur.
- Akkuverschleiß: Häufige Lade- und Entladezyklen durch V2G-Betrieb können die Akkulebensdauer beeinflussen. Hersteller geben teils eingeschränkte Garantien bei intensiver V2G-Nutzung. Die Langzeitauswirkungen werden noch erforscht.
Vergleich V2L, V2H und V2G
| Merkmal | V2L | V2H | V2G |
|---|---|---|---|
| Stromziel | Einzelne Geräte | Hausnetz | Öffentliches Netz |
| Anschluss | 230-V-Steckdose am Auto oder Adapter | Bidirektionale Wallbox + Hausinstallation | Zertifizierte V2G-Ladestation |
| Genehmigung nötig | Nein | Ja (Elektriker, ggf. Netzbetreiber) | Ja (komplexe Regulierung) |
| Typische Leistung | 1,5–3,6 kW | 3–10 kW | 7–22 kW |
| Wirtschaftlicher Nutzen | Gering (erspart externe Geräte) | Mittel (PV-Eigenverbrauch) | Potenziell hoch (Vergütung) |
| Marktreife 2025 | Ausgereift, viele Modelle | Begrenzt verfügbar | Pilotprojekte |
AC/DC
Es gibt aktuell zwei mögliche Wege, um Strom aus dem Auto zu nutzen. Der eine Weg ist über AC-Wechselstrom, dabei wandelt das Fahrzeug seinen DC Gleichstrom aus dem Akku, intern in Wechselstrom um und stellt diesen dann zur verfügung. Bei DC-Glecihstrom, kann das Fahrzeug den Strom direkt aus dem Akku zur Verfügung stellen, um den Strom dann später nutzen zu können muss die Ladesäule oder ein seperater Inverter hier daraus wieder Wechselstrom machen.
Welche Fahrzeuge können V2L, V2H oder V2G?
Die Unterstützung von bidirektionalem Laden ist fahrzeugabhängig und oft auch von der Ausstattungsvariante abhängig. Hier eine Auswahl aktueller Modelle (Stand 2025, ohne Gewähr):
- BYD Atto 2 (Comfort): V2L mit 3,3 kW serienmäßig. Kein V2H, kein V2G.
- Hyundai Ioniq 5 und Ioniq 6: V2L mit 3,6 kW. V2H in Japan verfügbar, in Europa noch nicht serienreif.
- Kia EV6 und EV9: V2L mit 3,6 kW. Kein V2H oder V2G in Europa.
- Nissan Leaf (CHAdeMO-Modelle): V2H über CHAdeMO möglich. Teilnahme an einzelnen V2G-Pilotprojekten.
- VW ID. alle Modelle ab 77kWh Akku und 3.5 Software: Bidirektionales Laden (V2H und V2G) ist möglich, für V2G fehlt aktuell noch ein Projekt. Es gibt Einschränkungen bei der Laufzeit und Entnahmemenge.
- Ford F-150 Lightning: V2H über das „Intelligent Backup Power”-System. V2L ebenfalls verfügbar.
Ob Ihr Wunschfahrzeug V2L, V2H oder V2G unterstützt, finden Sie bei uns im Shop unter den technischen Daten jedes Fahrzeugs im Abschnitt „Entlademöglichkeiten”.
Eine Erklärung zum Skoda, welche aber auch für alle anderen Fahrzeuge aus dem VW Konzern gilt, bzw den Fahrzeugen MEB Plattform also auch Ford Capri & Explorer.
Fazit
Von den drei Technologien ist V2L heute schon für viele Käufer im Alltag nützlich – und das ohne jeglichen Installationsaufwand. Wer eine Photovoltaikanlage betreibt oder ein Haus besitzt, für den wird V2H in den nächsten Jahren zunehmend interessant. V2G ist ein spannendes Zukunftsthema mit großem Potenzial für die Energiewende, aber für Privatkunden in Europa in der Breite noch kaum praxisrelevant.
Wenn Sie wissen möchten, welche Entlademöglichkeiten ein konkretes Fahrzeug bietet, können Sie dies bei uns im Shop in den technischen Daten nachlesen: